Independent Competence Platform
for Integrated Security in Switzerland.

The digital economy and the role of the state

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1. Digitale Transformation

Als globales Phänomen hat die Digitale Transformation alle Nationen und sämtliche Sektoren ihrer Volkswirtschaften erfasst – wenn auch nicht zeit- und ortsgleich und im selben Ausmass, da die jeweiligen Bedingungen zu unterschiedlich sind. Dennoch manifestiert sie sich unaufhaltsam in allen Bereichen ihrer Akteure, Anwendungen und Prozesse, in denen Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) eingesetzt und genutzt werden.

Die ICT stellen eine Schlüssel- und Querschnittstechnologie dar, deren Wirkungen und Folgen für die individuelle, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung weder national noch global abzusehen sind. Mit der Digitalisierung, Virtualisierung und Vernetzung entsteht ein globaler «Cyber-Raum», eine künstlich anmutende Art neuer, virtueller Welten, die sich zusammen mit der realen, «analogen» Welt zu neuen, hybriden Umgebungen entwickeln, in denen analoge und digitalisierte, reale und virtuelle Akteure und Ressourcen vernetzt interagieren und zum «Internet of Everything» zusammenwachsen.

Gleichzeitig entsteht mit der Digitalen Transformation eine neue Ära, die als «Cyber Age» bezeichnet werden kann, mit neuen Chancen und Opportunitäten, Risiken und Gefahren, Abhängigkeiten und Auswirkungen. Damit gehen vielfältige Herausforderungen einher, denen wir uns alle stellen müssen – als Individuen, als Gesellschaft, als Organisationen aller Sektoren, als Volkswirtschaft und als Staatswesen im globalen Wettbewerb.

2. Digitale Wirtschaft

Digitale Transformation wirkt disruptiv
Bereits in den ersten «E»-Anwendungsgebieten (E-Banking, E-Business, E-Commerce) hat sich ab Mitte der 1990er Jahre gezeigt, dass die rasante technologische Entwicklung – und die damit entstehenden Möglichkeiten – der effektiven Nutzung der ICT und der erfolgreichen Adaption in Wirtschaft, Gesellschaft und in weiteren Sektoren weit voraus eilt. Dadurch entstehen Brüche und Lücken, die sich nur über längere Zeit und mit hohem Aufwand (Information, Kompetenz, Fachkräfte) und hartnäckiger Arbeit schliessen lassen.

Mit der Digitalisierung, Virtualisierung, Miniaturisierung, Leistungssteigerung und Vernetzung entstehen nicht nur neue Geräte (z.B. Mobile Devices) und Dienste (z.B. Apps), sondern auch neue Geschäftsmodelle, Dienste und Prozesse. Dadurch werden bestehende Modelle, Strukturen und Organisationen zum Teil obsolet. Auch etablierte Akteure sehen sich in ihrer Existenz gefährdet. Es entstehen neue, mächtige globale Player, Monopole und Kartelle – und mit ihnen neue Risiken, z.B. bezüglich der Verwendung von Daten, Einflussnahme, Abhängigkeit, Beherrschung.

Kräfteverhältnisse und Dimensionen verschieben sich
Während Jahrzehnten bildeten klassische Unternehmen und Marken die Schwergewichte an den Weltbörsen. Mit der Digitalen Transformation hat sich dies fundamental geändert: 2015 belegten Apple, Google, Microsoft und IBM die Ränge 1 bis 4. Eindrücklich sind auch die Entwicklung von Online-Diensten, sozialen Medien und Netzwerken, die Anzahl derer, die solche Dienste und Medien nutzen, sowie das Ausmass und die Intensität ihrer Nutzung: always online, anytime, anywhere.

So zählt z.B. Facebook mehr Benutzer/innen als die grösste Volkswirtschaft der Welt (China) Einwohner. Zusammen mit weiteren Online-Netzwerke wie Instagram, Twitter, Youtube etc. spielen solche Global Players – verglichen mit traditionellen Anbietern von Diensten und Distributionsnetzen – in einer völlig neuen Liga. Dies macht sie nicht nur sehr interessant und wertvoll, sondern auch extrem einflussreich und mächtig. Beispiel: Der Anteil von Apple am Gewinn des globalen Smartphone-Markts beträgt mittlerweile 92%, obwohl Apple nur 20% der Geräte verkauft.

Position der Schweiz im internationalen Vergleich
Verglichen mit den europäischen Spitzenreitern (Luxemburg, skandinavische Länder) liegt die Schweiz bezüglich der Penetration (Internetnutzung) mit 89,1% leicht zurück (Stand 30.06.2014). Bei den Jugendlichen und Erwerbstätigen liegt diese Rate inzwischen allerdings deutlich über 90%, wie aus Nutzungsstudien z.B. bezüglich Smartphones hervorgeht.

Anbieterseitig können Schweizer Unternehmen mit den globalen Schwergewichten nicht mithalten, obwohl in der Schweiz sämtliche Voraussetzungen (hohes Bildungsniveau, Finanzkraft, Forschungsstandort, Innovationskraft, Stabilität etc.) für erfolgreiche Entwicklungen und Leistungen gegeben sind. Die Durchdringung und Umwandlung traditioneller Märkte und Strukturen mit neuen Ansätzen beansprucht sehr viel Zeit. Trotzdem machen findige Startups auch hier von sich reden und werden von Global Players gefördert. Dank der globalen Präsenz und Wirkung digitaler Dienste, Medien und Netzwerke besteht also Hoffnung, dass sich die bisher verhaltene Schweizer Szene rascher und kräftiger entwickelt.

Tradition, Strukturen, Skepsis gegenüber Macht und Geschwindigkeit tragen zweifellos zu Stabilität und Ausgleich bei, wirken aber auch hemmend, wenn es darum geht, sich in höchst dynamischen Umfeldern zu behaupten. Bereiche mit bisher starker Wertschöpfung (z.B. Finanzplatz) erodieren, während andere  Bereiche (z.B. Behörden, Gesundheitswesen, Schulen) Nachholbedarf aufweisen. Die Ausschöpfung des volkswirtschaftlichen Nutzens der ICT und ihrer Mittel liegt hinter den Chancen und Potenzialen insgesamt weit zurück.

Verwundbarkeit und Handlungsbedarf nehmen zu
Die äusserst dynamische Entwicklung der ICT führt laufend zu «besseren», reiferen Komponenten und Systemen. Aufgrund der hohen und weiter zunehmenden Komplexität und Vernetzung nimmt die Verwundbarkeit (vulnerability) insgesamt jedoch zu, während die Fähigkeit zu Widerstand und Regeneration (resilience) der Systeme und «Systems of Systems» noch ungenügend ist. Damit steigt die Gefahr, dass kritische Infrastrukturen, Dienste und Anwendungen Schaden nehmen oder ausfallen.

Cyber-Angriffe auf Akteure, Daten, Dienste, Systeme und Netzwerke erfolgen mittlerweile permanent und nehmen bezüglich Bedeutung, Intensität, Komplexität und effektivem Schaden laufend zu. Die Dunkelziffer ist hoch, die Transparenz ungenügend. Neben ABC-Waffen sind digitale (D)-Waffen Realität. Deren Existenz, forcierte Entwicklung und unkontrollierte Proliferation sind zu einer globalen Bedrohung geworden.

Mit der «Nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken» verfügt die Schweiz über eine Basis, auf der sich Massnahmen und Dienste aufbauen lassen. Die verfügbaren Mittel gegen die vielfältigen, sich rasch wandelnden und insgesamt zunehmenden Bedrohungsformen und Angriffe sind jedoch weder bedrohungsgerecht noch ausreichend. Um unsere Infrastrukturen, Dienste und Netzwerke resilient zu machen und Angriffe gezielt abzuwehren, müssen die Massnahmen bezüglich «Cyber Security» dringend verstärkt werden.

Dies betrifft auch die Gestaltung des regulatorischen Umfelds (Gesetze, Verordnungen, optimale Rahmenbedingungen, Abbau von Hemmnissen etc.), die Führung (Planung, Steuerung, Kontrolle), die Governance, das Risk Management und die Compliance. Diesbezüglich bestehen qualitative und quantitative Lücken, die sich kurzfristig weder durch den Import von Fach- und Führungskräften noch durch die Leistungen des Bildungssystems schliessen lassen. Sowohl das Instrumentarium als auch die Kooperation sind ungenügend.

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3. Laufende Entwicklungen

Big Data Analytics, Cognitive Computing, Intelligence
Trotz Exzellenz in Forschung und Innovation sowie frühen und hervorragenden Leistungen im Bereich der ICT ist es der Schweiz bisher nicht gelungen, sich im globalen Wettbewerb zu einem führenden Anbieter von ICT-basierten Diensten zu entwickeln und zu positionieren. Abgesehen von Nischenprodukten sind wir Importeur und Konsument von ICT-basierten Leistungen. Dieser Rückstand gegenüber den Global Players lässt sich nicht mehr aufholen. Dennoch bestehen in ausgewählten Bereichen weiterhin Chancen.

Welch enorme Potenziale sich mit Big Data Analytics, Cognitive Computing und Intelligence eröffnen, zeigt z.B. IBM mit «Watson», indem gigantische Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen und Formaten praktisch in Echtzeit analysiert, Korrelationen erkannt und entscheidungsrelevante Vorschläge generiert werden.

Bildung im Netz – vernetzte Bildung
Der institutionelle Vermittler von Befähigung und Kompetenz – das öffentliche Bildungswesen – steht ange-sichts der Digitalen Transformation noch weitgehend abseits. Weder die Pädagogischen Hochschulen noch die Curricula der formalen und beruflichen Aus- und Weiterbildung vermitteln dringend nötige Inhalte, Fähigkeiten, Kompetenzen und Mittel in aktueller, stufengerechter Form.

educa.ch hat 2014 im Auftrag ihrer Vertragspartner das Projekt «Bildung im Netz – vernetzte Bildung» durchgeführt, in dessen Rahmen aufgezeigt wurde, wie sich traditionelle Bildungsorte und Bildungspfade zu offenen, vernetzten Bildungslandschaften des lebenslangen Lernens entwickeln. Dazu zählen auch moderne, für Mobilgeräte optimierte Informationsangebote, offene Experten- und Markt-Plattformen und cloudbasierte Dienste.

Cloud Computing
Aufgrund ihrer spezifischen Vorteile ist die Schweiz als Standort für Cloud Computing und Data Centers privilegiert, muss sich aber ständig gegen übermächtige Global Players wie Amazon, Apple, Dell, Google, IBM, Microsoft etc. sowie gegen politischen und wirtschaftlichen Druck behaupten. Auch bezüglich rechtlicher Aspekte bleiben Fragen und Entwicklungsrichtungen offen, was die Stärken der Schweiz relativieren kann. Die effektive Nutzung von cloudbasierten Diensten durch schweizerische Organisationen liegt trotz reifer Angebote und verbesserter Information und Transparenz insgesamt noch weit hinter dem enormen Potenzial zurück.

Cyber Security
Zum Umsetzungsstand der «Nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken» erfolgte im Juni 2015 ein Zwischenbericht. Inzwischen haben sich mehrere Organisationen des Themas «Cyber Security» angenommen, was seine Wichtigkeit und Dringlichkeit unterstreicht. Der Handlungsbedarf ist und bleibt hoch.

Digitale Agenda
Wie andere Länder und die EU hat sich auch die Schweiz eine «Digitale Agenda» gegeben – allerdings nicht seitens der Landesregierung, sondern durch den Dachverband der Privatwirtschaft und den Branchenverband der ICT. Der Umsetzungsstand der darin formulierten Massnahmen ist unterschiedlich und liegt im Vergleich zu anderen Volkswirtschaften in wichtigen Bereichen zurück. Neue Aktivitäten sollen aufzeigen, wie die Digitale Transformation zu Innovation und Stärkung des Wirtschaftsstandorts Schweiz beiträgt.

E-Economy
Der Begriff bringt sowohl die «elektronische» Ausprägung von Diensten und Prozessen (E-Banking, E-Business, E-Commerce, E-Health, E-Invoicing, E-Payment etc.) zum Ausdruck als auch alle Auswirkungen, welche durch die Wirkung und Nutzung der ICT als Ganzes entstehen (Digitale Transformation unter einer volkswirtschaftli-chen Gesamtperspektive). Die Entwicklung der E-Economy in der Schweiz und im internationalen Vergleich werden seit 2012 in jährlichen Monitorings und Reports dargestellt. Zu Teilbereichen (z.B. E-Commerce) wer-den periodisch Untersuchungen durchgeführt und Berichte publiziert. Trotz stetigem Wachstum ist der Anteil der elektronischen Transaktionen am gesamten Handelsvolumen immer noch gering.

E-Government
Dank E-Government wickelt die Wirtschaft den Verkehr mit den Behörden elektronisch ab. Die Behörden modernisieren ihre Geschäftsprozesse und verkehren untereinander elektronisch. Die Bevölkerung wickelt wichtige, häufige und aufwändige Geschäfte mit den Behörden elektronisch ab. Durchgängig elektronische und medienbruchfreie Abwicklung von Verwaltungsgeschäften führt für Unternehmen, Verwaltung und Privatpersonen zu Erleichterungen dank Bürokratieabbau sowie Kostenersparnissen. Verwaltungsintern bewirkt der Einsatz der ICT raschere Entscheidungswege, weniger personalintensive Prozesse, schlankere Arbeitsorganisation und bessere Vernetzung. Die Bevölkerung und Wirtschaft erwartet bessere Dienstleistungen, weder zeitlich noch örtlich eingeschränkten, einfacheren Verkehr mit den Behörden sowie Transparenz und Nachvollziehbarkeit des Verwaltungshandelns.

Im europäischen Vergleich lag die Schweiz jahrelang am Schluss der Tabelle. Während andere Länder vor allem rasche Erfolge und Spitzenplätze dank elektronischen Diensten suchten, investierte sie in Architekturen, Geschäftsprozesse und Standards. Inzwischen hat sie im Ranking zum Mittelfeld aufgeschlossen und verbessert ihre Position dank innovativen Diensten, Information, Kooperation und Transparenz. Eine radikale Digitale Transformation der Behörden und ihrer Dienste ist bisher jedoch ausgeblieben.

E-Health, TeleMedCare, Ambient Assisted Living
Im Vergleich zu den Spitzenreitern (z.B. Dänemark) liegt die Schweiz seit Jahren zurück. Um die Nutzung der ICT und entsprechender Dienste im Gesundheitswesen voranzutreiben, wurden Strategien formuliert und werden Programme vorangetrieben. Einen wichtigen Meilenstein bildet das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG). Zusammen mit dem eID-System Schweiz und weiteren kardinalen Diensten kann mittelfristig eine Verbesserung der Positionierung und Nutzung gelingen, sofern dies gefordert und gefördert wird.

An Apps, Devices, Robotern und Web Sites mangelt es im globalen Wettbewerb nicht. Hingegen ist noch kein Framework erkennbar, in dem das Zusammenwirken der Akteure, Daten, Dienste, Prozesse und Technologien zum Wohl der Gesundheit und Pflege für alle ersichtlich wird und sie motiviert, an dieser Entwicklung aktiv teilzunehmen. Dies betrifft sowohl die Aus- und Weiterbildung der gesamten Bevölkerung als auch den kompetenten und verantwortlichen Umgang mit persönlichen Daten (digitale Souveränität, Sicherheit, Schutz).

E-Power für die Schweiz
Die im Herbst 2005 lancierte und inzwischen in den Branchenverband ICTswitzerland integrierte parlamentarisch-wirtschaftliche Initiative «ePower für die Schweiz» erklärt sich für die politische Interessensvertretung der Schweizer ICT-Wirtschaft zuständig. Sie will erreichen, dass das Potenzial der ICT in der Schweiz besser genutzt wird, und setzt sich auf dem politischen Parkett für einen starken ICT-Standort Schweiz ein. «ePower» vermittelt zwischen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft. Die Aktivitäten basieren auf drei Säulen: Stakeholder Management (Beziehungspflege zu relevanten Zielgruppen), Issue Monitoring (Politradar) und operatives Lobbying (Projekte).

Folgen der Digitalen Transformation
Die Errungenschaften der ICT und die Digitale Transformation insgesamt machen uns – als Individuen und Organisationen – im positiven Fall nicht nur kreativer, innovativer, erfolgreicher und mächtiger, sondern auch verwundbarer. Sie bedrohen uns, wenn wir die Chancen und Opportunitäten nicht ausschöpfen, und wenn wir den Risiken nicht adäquat und rechtzeitig begegnen und Gefahren nicht gezielt abwenden.

Mit der Digitalisierung, Virtualisierung und Vernetzung erhöht sich unsere Abhängigkeit von den ICT und vom «Cyber Space». Wichtige Daten, Informationen, Dienste und Ressourcen sind anderweitig kaum noch verfügbar oder bezahlbar. Globale Akteure, neue Monopolisten und Kartelle bedrohen unsere Unabhängigkeit und Flexibilität ebenso wie unsere Privacy, Prosperität, Souveränität, Transparenz und den Schutz sensibler Daten.

Dadurch, dass immer mehr Daten und Informationen in soziale Medien und Netzwerke oder generell ins Internet gelangen, erhöht sich auch die Gefahr auf Manipulation (z.B. durch Suchmaschinen, Angriffe etc.) und Kontrollverlust (z.B. die Unmöglichkeit, eigene Daten und Informationen autonom zu verwalten, zu löschen etc.).

Industrie 4.0
Unter dem Begriff «Industrie 4.0» wird eine Teilmenge von Initiativen, Konzepten, Diensten und Prozessen verstanden, die zum Überbegriff «Internet der Dinge», «Internet of Everything» oder «Cyber Physical Systems» zählen. Dabei geht es um eine marktführende industrielle und wirtschaftliche Nutzbarmachung von Phänomenen der Digitalen Transformation wie Digitalisierung, Virtualisierung, Miniaturisierung, Leistungssteigerung, Robotik, Sensorik, Speicherdichte, Vernetzung usw. Durch den radikalen Umbau bisheriger Geschäftsmodelle, Prozesse und Wertschöpfungsketten zu immer dichter und konsequenter vernetzten Systemen entstehen Phänomene, mit denen umzugehen wir erst noch lernen müssen: Auswirkungen auf Organisationen und deren Leistungen, auf Belegschaften und Arbeitsmodelle, auf Abhängigkeit und Verwundbarkeit usw.

Verschiedene Programme staatlicher und privatwirtschaftlicher Akteure im In- und Ausland erklären Industrie 4.0 zu ihrer Priorität. In der Schweiz formieren sich sowohl politische Vorstösse als auch privatwirtschaftliche Initiativen. An Angeboten (Anwendungen, Dienste, Beratung) fehlt es nicht. Ob, wie rasch und wie wirksam die hiesigen Unternehmen (vor allem KMU) damit umgehen, muss aber erst noch aufgezeigt werden.

Informationsgesellschaft
Die «Strategie des Bundesrates für eine Informationsgesellschaft in der Schweiz» wurde erstmals 1998 publiziert. 2006 wurde sie aktualisiert und 2012 neu gefasst. Sie bildet die Dachstrategie, in der sich sowohl sektorspezifische (z.B. E-Government, E-Health) als auch sektorübergreifende Strategien (z.B. Energie, Infrastruktur, Sicherheit) einbetten lassen. Nebst der Strategie wurde ein Massnahmenkatalog (Vorhaben zur Umsetzung) formuliert. Die Aktivitäten und der Umsetzungsstand werden von einem Steuerungsausschuss (ISA IG) beaufsichtigt und von einer Geschäftsstelle unterstützt. Angesichts der extrem dynamischen Entwicklung wurde ein offenes, interdisziplinäres Expertennetzwerk (Think Tank) angeregt, um Perspektiven, Chancen, Risiken und Abhängigkeiten aufzuzeigen.

Infrastruktur
Die Schweiz verfügt über eine hohe Dichte an Data Centers, von denen einige nachweislich sehr hohen bis höchsten Anforderungen bezüglich Leistung, Sicherheit und Vertrauen genügen. In diesen Daten-, Rechen- und Speicherzentren werden zum Teil durch die Betreiber selber, zum Teil durch spezialisierte Service Providers Dienste angeboten, die auch auf Cloud-Lösungen basieren. Bezüglich der Versorgung mit Breitbandnetzen belegt die Schweiz im internationalen Vergleich eine führende Position. Der Ausbau mit noch leistungsfähigeren Anschlüssen wird vorangetrieben, vor allen im Mobilfunknetz, da immer mehr Benutzende mit ihren mobilen Endgeräten jederzeit und überall online sind. Im Bereich des Hochleistungsrechnens (HPCN) verfügen Schweizer Hochschulen über führende Rechen- und Netzwerkkapazitäten. In den kommerziellen Data Centers werden die Kapazitäten bedarfsgerecht ausgebaut, z.B. für Cloud-Anwendungen mit hohen Anforderungen.

Innovation
Die Schweiz gilt im internationalen Vergleich als Innovationsweltmeisterin. Die Kriterien dieser Rankings ent-sprechen jedoch nicht der wirtschaftlichen Realität, wonach allein effektive Produkte und Dienstleistungen an den Märkten darüber Auskunft geben, was als innovativ empfunden und deshalb genutzt wird.

Bei der Innovationsförderung spielt die Kooperation von Grundlagenforschung, anwendungsorientierter For-schung und Entwicklung, geführter Forschung und Entwicklung, Agenturen und Stiftungen die Hauptrolle. Die Umwandlung der KTI zu Innosuisse kann dieser Rolle neuen Schub und zusätzliche Wirkung verleihen. Die Er-richtung eines Nationalen Innovationsparks soll zur Stärkung der Innovationskraft der Schweiz beitragen.

Internet of Things/of Everything, Cyber Physical Systems
Die TCP/IP-basierte Vernetzung (Internet, World Wide Web) überträgt sich zunehmend auf Konzepte und Konfigurationen, in denen auch andere wichtige Systeme und Netzwerke eine Rolle spielen bzw. davon betroffen sind: Elektrizitäts-, Transport- und Versorgungs-Netze, Industrieanlagen, Forschungseinrichtungen, Behörden, das Gesundheitswesen – bis hin zur vernetzten Steuerung von Automobilen, Flugzeugen, Drohnen, Gebäuden, Überwachungssystemen etc.

Vernetzte Systeme und Komponenten sind nicht a priori sicher, «smart» und resilient, sondern verwundbar – und sie werden systematisch und permanent angegriffen. Den Chancen und Potenzialen einer «smarten», ver-netzten Welt stehen hohe Risiken und Gefahren gegenüber. Dem Bildungs-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort Schweiz eröffnet sich dadurch ein äusserst attraktives Gebiet, sich damit auseinanderzusetzen, neue Lösungen aufzuzeigen und Spitzenleistungen zu erbringen.

Mobile Devices
Smartphones, Phablets, Tablets, Ultrabooks etc. begleiten inzwischen die gesamte aktive Bevölkerung durch ihren Alltag und in allen Aktivitätsbereichen. Ob BYOD-Konzepte implementiert sind oder redundante Geräte zum Einsatz kommen, spielt dabei aus volkswirtschaftlicher Gesamtperspektive eine untergeordnete Rolle – Hauptsache, die Geräte, Apps, Dienste und Netzwerke werden möglichst rege und produktiv benutzt. Die Kadenz, mit der neue Geräte an den Markt kommen, führt zu höheren Verkaufszahlen und Umsätzen, ist aus Sicht der Nachhaltigkeit, Ökologie und des Ressourcenverbrauchs jedoch höchst bedenklich. Trotz den Bemühungen, erneuerbare Energien zu nutzen, sind die ICT mit dem Image des Raubbaus und der Verschleuderung behaftet.

Open Data
Mit der Datafizierung sämtlicher Informations- und Wissensbestände und deren Digitalisierung stehen riesige Datenbestände zur Verfügung, die zum Teil mittels Steuergelder finanziert wurden und ein Gut darstellen, das der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und von innovativen Unternehmen genutzt werden soll, um neue Dienste und Leistungen bereitzustellen. Bewegungen wie opendata.ch thematisieren dies und fordern eine möglichst uneingeschränkte Nutzung.

Wie «offen» gewisse Daten sein sollen, wird kontrovers diskutiert. Je nach Kontext (z.B. Gesundheit) und Grad der Identifizierbarkeit (bzw. Re-Identifizierbarkeit trotz Anonymisierung) sind Rechte, Risiken, Schutz und Vertraulichkeit zu beachten. Eine Ergänzung des bisherigen gesetzlichen «Schutz-Ansatzes» (Datenschutzgesetz) durch einen gesetzlichen «Befähigungs-Ansatz» (Wahrnehmung der Digitalen Souveränität: Recht, Eigentum, Bestimmung, Verwendung) könnte dazu wesentlich beitragen.

Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit
Die im Mai 2009 gegründete «Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit» fördert den nachhaltigen und innovativen Umgang mit den ICT und setzt sich für den öffentlichen Zugang zu Wissensgütern ein. Im Informationszeitalter eröffnet die fortschreitende Digitalisierung grosse Potenziale, die zur Herstellung und Verbreitung von Wissensgütern erschlossen werden und so dem Nutzen der gesamten Volkswirtschaft dienen können. Der Gruppe gehören derzeit 47 Parlamentarier/innen an. Sie setzt sich für folgende Belange ein: Open Source Software, Offene Standards, Open Government Data, Freier Wissenszugriff, Freie Inhalte.

Schlüsseltechnologien
Als Schlüssel- und Querschnittstechnologie bilden die ICT für zahlreiche weitere Schlüsseltechnologien und de-ren Leistungen eine unabdingbare Voraussetzung. Für den Wirtschaftsstandort Schweiz ist deshalb sowohl eine führende Position in Forschung und Entwicklung als auch eine innovative Umsetzung und konsequente Nut-zung der ICT und der auf ihr basierenden Leistungen von hoher Bedeutung.

Smart Switzerland
Die «Smarter Planet» Metapher (IBM) wurde durch zahlreiche Nationen aufgegriffen und in entsprechenden Strategien ausformuliert. Zu den darin behandelten Gebieten zählten ursprünglich «Smart Cities & Agglomerations», «Smart Buildings & Homes», «Smart Energy, Grids, Metering», «Smart Industries & Technologies», «Smart Transportation, Traffic, Mobility, Logistics», «Smart Work» usw. Inzwischen sind Themen wie Big Data Analytics, Cloud, Mobile Enterprise, Security, Social Business usw. dazugekommen.

Damit schliesst sich der Kreis der hier kurz skizzierten Themenbereiche der Digitalen Transformation. In der Schweiz wurde die «Smart Switzerland» Metapher sowohl vom Projekt «E-Economy» (SECO, 2010) als auch von der «Digitalen Agenda 2.0» (economiesuisse und ICTswitzerland, 2013) verwendet.

Social Media & Networks
Auf die Bedeutung sozialer Medien, Netzwerke und Plattformen wurde bereits hingewiesen. Ihre Anziehungs-kraft und der ungebremste Zulauf prädestinieren sie auch für weitere Zwecke wie Social Business und Social Learning.

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4. Handlungsfelder

Digitale Souveränität
Durch die faktische Abhängigkeit von globalen Akteuren sind wir, unsere Organisationen und Prozesse auf die Verfügbarkeit, Funktionsfähigkeit und Zuverlässigkeit ihrer Angebote angewiesen. Damit verlieren wir die «digitale» Autonomie und Kontrolle über unsere Daten, Informationen, Wertschöpfungsketten und Netzwerke weitgehend und können sie im Extremfall kaum noch erlangen. Wir sind faktisch (und zunehmend auch rechtlich) digital nicht mehr souverän – weder als Individuen, Gesellschaft, Organisationen noch als Staatswesen.

Ein vorausschauend planender, professioneller Umgang mit der Digitalen Transformation und insbesondere mit der «Cyber Security» ist eine nationale, vorrangige Aufgabe jeder Volkswirtschaft. Dies verlangt nach einer Diskussion und Festlegung der entsprechenden Rollen (Aufgaben, Zuständigkeiten) und Verantwortungen im föderalen Staatswesen, in Wirtschaft und Gesellschaft, insbesondere bezüglich folgender Aspekte:

  • Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik
  • Rahmenbedingungen, Fördermassnahmen
  • Wirtschaftspolitik, ICT-Industriebasis Schweiz
  • Recht, Gesetzgebung, Standards, Zertifizierung
  • Souveränität (Individuum, Gesellschaft, Nation)
  • Subsidiarität (top-down, bottom-up, gegenseitig)

Cyber Security
Um den Herausforderungen der Digitalen Transformation und insbesondere der «Cyber Security» mit Aussicht auf Erfolg zu begegnen, sind die dafür nötigen Fähigkeiten und Kapazitäten aufzubauen und bereitzustellen. Dies betrifft nicht nur Entscheidungsträger, Fachkräfte und Spezialisten (Schlüsselkompetenzen), sondern auch den Know-how-Transfer in die gesamte Bevölkerung (Mindestkompetenzen). Besonders hervorzuheben sind:

  • Prospektive und strategische Entwicklung
  • Antizipation, Früherkennung und Beratung
  • Information, Kommunikation, Kooperation
  • Interdisziplinäre Aus- und Weiterbildung
  • Forschungskooperationen: Grundlagenforschung (ETH, Universitäten), Anwendungsorientierte Forschung (Fachhochschulen), Geführte Forschung (Industrie)
  • Gezielte Investitionen in Spitzenforschung und -entwicklung, Kompetenzzentren und Netzwerke, internationale Profilierung der Schweiz durch Spitzenleistungen
  • Eingriffsreserve als nationale subsidiäre Hilfe

Aufgaben, Kompetenz, Verantwortung
Digitale Transformation und «Cyber Security» gehen uns alle an – weil wir alle gleichzeitig Akteure und Betroffene sind. Niemand kann sich von den damit verbundenen individuellen und kollektiven Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten dispensieren. Das Hauptrisiko besteht bekanntlich in den schwächsten Gliedern jeder Kette bzw. jedes Netzwerks. Um Digitale Transformation und «Cyber Security» täglich leben zu können, stehen folgende Massnahmen im Vordergrund:

  • Allgemeine und spezifische Sensibilisierung der Akteure
  • Gezielte, stufengerechte Aus- und Weiterbildung ab Grundstufe
  • Verhaltens- und Handlungsgrundsätze bei Bedrohungslagen
  • Wahrung der digitalen Souveränität: Recht, Schutz, Verantwortung
  • Informations-, Kommunikations- und Experten-Netzwerk
  • «Cyber Security» Helpdesk für konkrete Ereignisse, Vorfälle

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