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13.04.2017
von: NZZ - Christof Forster

"Schweizer Armee könnte Cyber-Angriff lancieren"

Solche Worte sind ungewohnt in einem neutralen Staat. «Die Armee ist in der Lage, einen Cyber-Angriff durchzuführen», sagte Armeechef Philippe Rebord am Montag vor den Medien. Er fügte sogleich an, es gebe dafür derzeit keine Rechtsgrundlage. Ein Angriff sei auch als Akt der Verteidigung zu sehen, präzisierte Rebord. Der Armeechef wollte mit seiner Aussage betonen, dass die Armee der elektronischen Kriegsführung einen hohen Stellenwert beimisst. Man sei auf Kurs, sagte Rebord. Bis 2023 werde ein von der Swisscom unabhängiges und gesichertes Netz aufgebaut. Es soll 2023 vollständig operationell sein. Die Armee kann inzwischen laut Rebord auch die eigene Infrastruktur gegen Cyber-Angriffe schützen.

Chef ohne Eitelkeiten
Anlass für Rebords Auftritt waren seine ersten hundert Tage im Amt als Armeechef. Er ist Anfang Jahr mit viel Vorschusslorbeeren gestartet. Der Walliser hat einen ausgezeichneten Ruf innerhalb der Armee. Auch Sicherheitspolitiker haben ihn in der kurzen Zeit seit Januar positiv wahrgenommen. Er habe klare Vorstellungen und komme bei den Truppen gut an, sagt Corina Eichenberger (fdp., Aargau), Präsidentin der nationalrätlichen Sicherheitskommission. Sie wünscht sich, dass er sich künftig etwas mehr in der Öffentlichkeit zeigt. SP-Ständerätin Géraldine Savary sagt, sie habe noch kein schlechtes Wort über ihn gehört.

Rebord ist kein Mann der grossen Worte. Es ist auch nicht so, dass er mit seiner Ausstrahlung einen ganzen Raum in seinen Bann ziehen würde. Wohltuend nüchtern und ohne Eitelkeiten betrachtet er indes seine Aufgabe als Chef. Seine Vorstellung illustriert er mit einem Zitat des französischen Essayisten Paul Valéry: Der Chef sei derjenige, der andere brauche. «Es ist egal, wer die Tore macht, aber wir müssen Tore schiessen», sagte Rebord. Seinen Mitarbeitern und den Soldaten wolle er auf Augenhöhe begegnen. Die Soldaten hätten das Recht, respektiert zu werden. Dies bedeute aber nicht, dass die Armee ein Ferienlager werde. Er stört sich an Forderungen, die Armee müsse attraktiver werden. Sie sei dazu da, Sicherheit zu bieten, und dies könne mitunter sehr anstrengend sein. Rebord sieht die junge Generation als durchaus leistungsbereit und belastbar. Als Beispiel nannte er die am WEF aktiven Soldaten, die bei Temperaturen bis zu minus 35 Grad ihren Dienst verrichteten.

Rebord verteidigte die angekündigten Erleichterungen in den ersten vier Wochen der Rekrutenschule. In dieser Zeit verliere die Armee viele Männer. Deshalb werden beispielsweise die Marschdistanzen verkürzt. So haben die Rekruten Zeit, die entsprechenden Muskeln aufzubauen. «Wir müssen die Soldaten in 18 Wochen und nicht in 18 Tagen ausbilden», sagte Rebord.

Dies ist Teil der Vorkehrungen, um jährlich den benötigten Bestand von 18 000 Rekruten zu sichern. Im vergangenen Jahr wurde das Ziel mit 18 109 Absolventen nur noch knapp übertroffen. Ein weitere Grund für diese Tendenz ist, dass immer mehr Dienstpflichtige Zivildienst leisten. Rebord erwartet hier von der Politik Korrekturen.

5 Milliarden genügen nicht
Bis 2020 verfügt die Armee über 5 Milliarden Franken pro Jahr. Für die Zeit danach werde dieser Betrag nicht mehr ausreichen, sagte Rebord. Auch der Gesamtbundesrat habe dies erkannt. In der Armeebotschaft 2016 wird das Thema kurz erwähnt. Das Kostendach reiche nicht, um neben der Beschaffung von neuen Kampfflugzeugen andere Grosssysteme zu ersetzen. Neben den Kampfjets kommen laut Rebord auch Artillerie, Panzer und Schützenpanzer in die Jahre. Aufgrund des hohen Alters könne deren Lebensdauer mit zusätzlichen Investitionen nicht mehr verlängert werden. Zu wählen sei deshalb zwischen dem Ersatz oder einer Lücke im Verteidigungssystem. «In Zukunft sprechen wir nicht mehr über den Flugzeugtyp, sondern über die Existenz der Luftwaffe», sagte Rebord. Der Typenentscheid steht bis spätestens 2020 an. Die Nutzungsdauer der F/A-18-Flotte kann nochmals verlängert werden. Der Bundesrat beantragt im Rüstungsprogramm 2017 einen entsprechenden Kredit, um die Jets nach 2025 in der Luft halten zu können.

Als seine Hauptaufgabe sieht Rebord die Umsetzung des Projekts Weiterentwicklung der Armee (WEA). Zum ersten Mal in der Geschichte wisse die Schweizer Armee genau, was die Politik von ihr erwarte. Zu den Vorgaben gehört die hohe Bereitschaft. Innerhalb von ein bis drei Tagen müssen 8000 voll ausgerüstete Soldaten im Einsatz stehen, innerhalb von zehn Tagen deren 35 000.
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