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15.01.2015
von: Prof. Dr. Reinhard Riedl

Cloud-Qualität und -Sicherheit; die EU positioniert sich als die bessere Schweiz

Sequenz aus dem Monatsbericht von Reinhard Riedl, Wissenschaftlicher Leiter des Fachbereichs Wirtschaft der Berner Fachhochschule
 
Zu den ausländischen Unternehmen zählen auch die Schweizer Anbieter, die vorerst nur hoffen können, dass die Strategieumsetzung scheitert. Denn inhaltlich zielt vor allem der erste Punkt aus obiger Aufzählung auf eine Qualität, die international Massstäbe setzen würde. Auch bei vielen Schweizer Anbieter kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass sie noch immer ein Lock-in ihrer Kunden anstreben. Das heisst, sie wollen es ihren Kunden schwer machen, den Anbieter zu wechseln oder Daten gleichzeitig bei zwei Cloud-Anbietern zu halten. Die EU will nun genau das – nämlich die Verpflichtung der Anbieter auf möglichst reibungslosen Anbieterwechsel – zum EU-Standard machen, um durch hohe Kundenfreundlichkeit die ausländische Konkurrenz auszubremsen.
 
Zumindest mittelfristig. Langfristig geht es sogar um mehr. Schutz der Kundenrechte soll zu einem „europäischen“ Label werden. Anders gesagt: Die EU will sich als die bessere oder die neue Schweiz positionieren, die anknüpft an Werte, wie sie das traditionelle Schweizer Bankwesen auszeichne(t)en. Auch wenn das in der EU sicher niemand so formulieren würde und man, wenn überhaupt, deklarativ eher an die Tradition der Datenschutz- und Dienstleistungsrichtlinien anknüpft. Der Weg zum Ziel, den die EU gewählt hat, wäre auch in der Schweiz kaum so vorstellbar. Während die Schweiz einst mit der Praxis des Bankgeheimnisses begann und dieses erst sehr spät im Gesetz verankerte, beginnt die EU mit einer staatspolitischen Strategie, die im zweiten Schritt gesetzlich und erst im dritten praktisch verankert werden soll. Das ist kein sehr liberaler Weg und er wird nur erfolgreich sein, wenn einzelne Anbieter Vorreiter spielen und proaktiv mit der Ermöglichung der freien Migration für ihre Kunden voranschreiten. Mit entsprechendem politischem Committment und
Einforderung der Standards durch Kunden der öffentlichen Verwaltung reduziert sich aber das Risiko für die First Movers und ihre Geschäftschancen steigen. Langfristig ist also ein Erfolg der EU Strategie nicht unwahrscheinlich.


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