Unabhängige Kompetenz-Plattform
für Integrierte Sicherheit in der Schweiz.

Spuren im Netz - der gläserne Mensch

Informationen sind das Gold der heutigen Zeit. Mit Informationen lässt sich viel Geld verdienen. Alleine Facebook hat im zweiten Quartal 2018 einen Umsatz von knapp 13 Milliarden US Dollar. Die verschiedenen Anbieter unternehmen viel, um an unsere Informationen zu gelangen. Das ist nicht ungefährlich.

Viele Menschen geben freiwillig und sehr offen ihre Daten an Andere weiter. Diese Angaben werden von den zahlreichen Anbietern gespeichert und automatisch ausgewertet. Eine Logik versucht, diese vielen Daten in einen Zusammenhang zu bringen. Vielen sind sicherlich die Hinweise von Amazon bekannt: "Andere Personen, interessierten sich auch für…". Alleine durch diesen kleinen Hinweis konnte Amazon den Umsatz massiv erhöhen.

Viele Dienste sammeln aber auch Daten, wenn wir dies gar nicht mitbekommen. So öffnet ein Besuch von den vier Zeitungen 20 Minuten, Blick, NZZ und Tages Anzeiger über 270 weitere Seiten im Hintergrund. Mit dem Browser-Plugin Lightbeam kann dies visuell dargestellt werden.

Spuren im Netz - Bild 1

Somit wissen zum Beispiel Google und Facebook, dass wir nun auf diesen Seiten waren. Wenn wir nicht eingeloggt sind, nicht wir als identifizierte Person, aber dieses Gerät. Heute kann sogar gemessen werden, wie lange wir auf einer Seite verweilen. So kann festgestellt werden, ob uns ein Artikel gefällt oder wir nach wenigen Sekunden schon wieder auf "Zurück" klicken. Facebook hat zugegeben, sogar die Mausbewegungen auf der eigenen Webseite aufzuzeichnen. So kommen immer mehr Daten zusammen.

Facebook verdient an personalisierter Werbung Geld. Wenn ich Klettern als Hobby habe, bekomme ich passende Werbung. "Ok, was ist dann das Problem? Ist doch gut, wenn ich passende Werbung bekomme.", ist eine oft gehörte Aussage. Der Fall von Cambridge Analytica zeigt, was die Schattenseiten sind. Je nach politischer Ausrichtung wurden beim Wahlkampf von Donald Trump andere Inhalte angezeigt. Republikanische, wie auch demokratische Wählerinnen und Wähler bekamen für sie passende Anzeigen zu Gesicht. Und beide meinten, den idealen Kandidaten gefunden zu haben und gaben ihre Stimme entsprechend ab.

Auch in der Schweiz kann die politische Meinungsbildung dadurch beeinflusst werden. Google merkt sich, welche Links angeklickt wurden und welche nicht. So kann ebenfalls ein Profil erstellt werden. Bei einer weiteren Abstimmung werden dann nur noch passende Informationen angezeigt. Und alle fühlen sich in ihrer Meinung bestätigt. "Das was ich denke, denke auch alle anderen. Google hat es mir ja auch so angezeigt. Meine Meinung muss also die richtige sein."

In Amerika gab es einen Fall, da bekam eine junge Frau, die noch zu Hause bei ihren Eltern wohnte, ein Paket mit Mustern von Produkten für Schwangere. Der Vater wollte wutentbrannt den Versender des Pakets verklagen. Wie sich dann aber herausstellte, war die Tochter tatsächlich schwanger. Anhand des veränderten Verkaufsverhaltens stellte der Algorithmus fest, diese Person muss schwanger sein und den Versand des Pakets ausgelöst.

Google kann heute besser als die Weltgesundheitsorganisation WHO nachverfolgen, wie sich eine Krankheit, beispielsweise die Grippe, rund um die Welt bewegt. Überall suchen die betroffenen Personen nach "tränende Augen, tropfende Nase, leichtes Fieber, etc.".

Da heute auf praktisch jeder Webseite zusätzlicher Inhalt hinzugefügt wird, z.B. der Like oder Share-Button von Facebook, kennt Facebook praktisch jede Webseite, die wir aufrufen. Sind wir noch eingeloggt, kann das persönliche Profil ergänzt werden. Auch wenn wir nie etwas anklicken, liken oder teilen, Facebook (und andere Dienste) wissen, wo wir uns tagtäglich bewegen und was uns interessiert oder eben nicht. Wenn Sie jetzt denken, "ich nutze gar keine solche Social Media Tools, von mir wissen sie ja nichts", muss ich Sie enttäuschen. Facebook kennt auch Sie, besser, als Ihnen lieb sein wird. Ich garantiere Ihnen, wenn Sie sich bei Facebook anmelden, werden Sie eine Liste von Freundschaftsvorschlägen erhalten. Diese Kontakte werden in einem Zusammenhang mit Ihnen stehen. Auch Ihre Vorlieben sind bereits vorhanden, halt bis jetzt ohne einen echten Menschen im Hintergrund verknüpft, sondern unbestimmt.

Zwei Aussagen, die ich oft höre, sind "Ich nutze immer den Inkognito-Modus meines Browsers" und "ich lösche immer meine Cookies". Beide Massnahmen erhöhen leider die Daten-Sicherheit nicht. Der Inkognito-Modus verhindert, dass lokal Spuren auf dem eigenen (oder fremden) Gerät bleiben (besuchte Webseiten, temporär gespeicherte Webseiten und Bilder). Die im Lightbeam gezeigten Verbindungen sind trotzdem da. Mit dem Löschen der Cookies erschweren Sie tatsächlich die Arbeit der Datensammler, aber… heute ist es möglich, auch ohne Cookies einen Benutzer wieder zu erkennen. Die Einstellungen Ihres Browsers, die installierten Schriftarten und Plugins sind halt doch nicht so unterschiedlich, wie viele meinen. Und diese Informationen können ausgelesen werden. Machen Sie selber einen Test unter https://panopticlick.eff.org/. Klicken Sie am Ende der Auswertung auf "fingerprinting". Wie eindeutig ist Ihr Browser?

Spuren im Netz - Bild 2

Was kann ich nun dagegen unternehmen? Nutzen Sie Skript-Blocker wie NoScript für Mozilla Firefox oder NotScript für Google Chrome. So können Sie das Nachladen von Skripts und anderen Seiten unterbinden und nur dann freigeben, wenn Sie dies möchten. Leider kann es sein, dass eine Seite nicht immer von Beginn weg korrekt angezeigt wird, und Sie zuerst einzelne Skripts aktivieren müssen. Dies ist aber nur selten der Fall und der Preis für die Anonymität im Internet.

Spuren im Netz - Bild 3 

Natürlich wird dies von vielen werbefinanzierten Seiten gar nicht gerne gesehen. So kann auch keine Werbung mehr angezeigt werden. Die Folge ist, dass einzelne Seiten gar nicht mehr angeschaut werden können oder ein Banner angezeigt wird "Bitte schalten Sie Ihren Skript-Blocker für diese Webseite aus".

Anonymität im Internet ist möglich, doch dies ist mit (etwas) Aufwand und Kompromissen verbunden. So werde ich vor die Wahl gestellt, was mir wichtiger ist: meine Anonymität oder der Besuch dieser Webseite mit allen Spuren, die ich bewusst oder immer öfter unbewusst hinterlasse.
Andreas Wisler auf Security-Finder Schweiz


Security-Finder Schweiz: Newsletter