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Der Vorfall ist komplex, vieldeutig und gefährlich – Öl ins Feuer

Ein russischer Aufklärer wurde über dem Meer von syrischer Luftabwehr abgeschossen. Russland sieht das als Unfall, für den letztlich die Israelis die Schuld trügen. Doch selbst Moskau kann an einer Eskalation der Lage nicht interessiert sein.

Niemals ein Moment der Langeweile – so preisen ironisch gestimmte Israelis gelegentlich die Vorzüge ihrer Nachbarschaft. Kaum dass es so etwas wie eine Status-quo-Vereinbarung zwischen Russen und Türken gibt über militärische Zurückhaltung gegenüber Idlib, kaum dass der syrische Bürgerkrieg eine Atempause einzulegen scheint, brennen neue Feuer unklarer Intensität.

Ein russisches Aufklärungsflugzeug, soweit ist der Fall unumstritten, wurde über dem östlichen Mittelmeer von syrischer Luftabwehr abgeschossen. Die Russen beschuldigen nun die Israelis, sich nicht an die taktischen Absprachen gehalten zu haben, die dergleichen verhüten sollen, sie seien im Radarschatten der Russen und ohne ausreichende Vorwarnung geflogen. Wie überhaupt der Fall gefährliche Fragen aufwirft in einer Lage, wo die Wahrheit das erste Opfer wird.

Die Israelis sind bemüht, das Ereignis weit weg zu halten von sich. Sie brauchen eine verlässliche Gesprächsbasis mit der Moskauer Führung für das unauffällige Co-Management der strukturellen Dauerkrise im Bereich Libanon, Syrien, Iran – mit der bedrohlichen Schiiten-Miliz Hisbollah an mehreren Fronten.

Sie wollen und müssen, um ein vernünftiges Maß an Sicherheit zu erreichen, den Luftraum vorwärts der eigenen Grenzen beherrschen. Dafür aber ist es Grundregel, mit den dort ebenfalls aktiven Russen Abstimmung zu suchen und die Einsatzregeln strikt einzuhalten, um nicht mit den russischen Beschützern der Syrer aneinanderzugeraten. Die Frage lautet: Haben die israelischen Piloten eine Kriegslist angewendet mit fatalen Folgen, militärischen und politischen? Oder ist alles russische Erfindung?

Der Hergang des Geschehens wiederum passt den Russen überhaupt nicht – aus Gründen des Prestiges, der Kontrolle und des Einflusses. Daher ist es ihr Interesse, den Abschuss den Israelis in die Stiefel zu schieben.

Eine passende Antwort ist aus Moskau angekündigt – kein Zweifel, dass sie kommt. Der Vorfall ist komplex, vieldeutig und gefährlich: Öl ins Feuer. Aber keiner der Beteiligten hat zur Zeit Interesse, einen neuen Nahostkrieg zu beginnen.
Quelle: welt.de
Experte Michael Stürmer auf Security-Finder Schweiz


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