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Europa vermisst eigene Russland-Agenda

Prof. Dr. Horst Teltschik

Prof. Horst Teltschik hat in der Epoche Helmut Kohl als Sicherheitsberater zum Ende des Kalten Krieges beigetragen. Später war er Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Im Exklusiv-Interview mit Sputnik spricht Prof. Teltschik über die Erwartungen an Präsident Trump und über Strategien, die Europa im Umgang mit Russland braucht.

"Ich habe schon 1990 Präsident Gorbatschow gesagt und das sage ich auch heute noch meinen russischen Partnern und Freunden: wir brauchen die Nato. Allerdings habe ich damals hinzugefügt: Im Zweifel nicht mehr wegen der Sowjetunion, wenn wir Freunde werden. Aber wir brauchen auch die Nato wegen Deutschland. Wir liegen im Herzen Europas und sind das größte und wirtschaftlich stärkste Land Europas. Wenn Sie sich die Geschichte ansehen, wissen Sie, dass Völker Geschichte nicht vergessen. Unsere Nachbarn, wie Luxembourg, Holland, Dänemark, Polen können mit uns Deutschen leichter zusammenleben, wenn wir im gleichen Bündnis sind. Man darf die Nato nicht immer nur als ein Instrument gegen jemanden sehen, sondern auch als Allianz, die uns zusammenführt.

Wir waren in vielem schon viel weiter. Präsident Putin hatte ja durchaus auch mal davon gesprochen, dass Russland Mitglied der Nato werden könnte. Wir haben das Instrument Nato-Russland-Rat viel zu wenig genutzt. Wir haben die Nato-Russland-Grundakte. Es gab vertrauensbildende Maßnahmen. Wir haben 1989/90 die weitreichendsten Abrüstungsmaßnahmen getroffen zwischen den USA, der Nato und der Sowjetunion. Wir haben in Paris eine gemeinsame Charta beschlossen zu einer gesamteuropäischen Friedensordnung von Vancouver bis Wladiwostok.

Warum arbeiten wir auf dieser Ebene nicht weiter? Nichts könnte Europa stärker befrieden als so eine Idee. Warum haben wir das 25 Jahre lang vernachlässigt? Da sollten wir wieder anknüpfen."

Quelle: sputniknews.com


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