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07.12.2018
von: Michael Stürmer

Transatlantiker wie er halten das westliche Bündnis zusammen

Amerika und die EU entfremden sich unter Donald Trump vollends. Das sorgt Michael Stürmer und er arbeitet leidenschaftlich dagegen. Am Wochenende feierte der WELT-Autor seinen 80. Geburtstag.

Es sind schwierige Zeiten für Transatlantiker. Donald Trump gibt dem stets unter der Oberfläche gärenden deutschen Antiamerikanismus einen willkommenen Anlass, auszubrechen und sich öffentlich mit dem Mantel des Anti-Trumpismus zu bedecken. Und dagegen lässt sich nicht einmal besonders effektiv argumentieren. Denn wer die Werte des transatlantischen Bündnisses hochhält und glaubt, dass Amerika als Anker der liberalen Weltordnung gebraucht wird, um Chaos und Autokratentum in der Welt im Zaum zu halten, der wird in Trump eine größere Enttäuschung erleben als die, die schon immer glaubten, dass Amerika eine Macht des Bösen ist.

Doch gerade in Zeiten wie diesen braucht es verlässliche Transatlantiker wie Michael Stürmer. Braucht es Deutsche, die die Gesprächskanäle offenhalten und sich nicht von der Stimmung des Momentes davontragen lassen. Und es braucht auch den spöttischen Realismus, mit dem Stürmer die Welt betrachtet, um den Deutschen zu erklären, dass sie zu klein und militärisch zu schwach sind, um es sich wirklich leisten zu können, auf den Schutz des großen Bruders in Amerika zu verzichten.

Kaum jemand hat so intensiv über den Fluch der deutschen Geografie nachgedacht wie Michael Stürmer. Ein Fluch, der erst durch die Westbindung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg überwunden werden konnte. Diese Westbindung gilt vielen vor allem und auch zurecht als moralisch-ethische Notwendigkeit, nachdem der deutsche Sonderweg in der der deutschen Ur-Katastrophe des Holocaust geendet hatte. Aber sie ist eben auch eine geostrategische Notwendigkeit für die deutsche Mittelmacht mit ihren verletzlichen Grenzen.

Das Projekt der europäischen Einigung hat dazu geführt, dass Deutschlands Mittellage sich von einer strategischen Bedrohung zu einer wirtschaftlichen Chance wandeln konnte. Was Europa aber gerne vergisst, ist, dass die europäische Einigung nie denkbar gewesen wäre, wenn Amerika nicht als Garantiemacht des europäischen Friedens agiert hätte. Ein deutscher Transatlantiker zu sein bedeutet eben auch, diese Wirklichkeit anzuerkennen und zu realisieren, welches Glück der wohlwollende amerikanische Hegemon für Deutschland bedeutet.

Amerika und Europa sind keine Gegensätze, wie jene gerne behaupten, die den nach Hitler anrüchig gewordenen deutschen Nationalismus heute gerne mit einem auf Antiamerikanismus aufbauenden europäischen Patriotismus ersetzen würden. Tatsächlich gäbe es dieses geeinte Europa ohne die USA und ihr Schutzversprechen gar nicht.

Es hat jedenfalls erst einen Trump gebraucht, um vielen vor Augen zu führen, wie prekär das europäische Mächtegleichgewicht ist und welche Rolle Amerika gespielt hat und immer noch spielt, um den alten Kontinent frei und friedlich zu halten. Und um zu verhindern, dass die Europäer einander wieder an die Gurgel gehen. Zur deutschen Westbindung gehört die Hinwendung zu Frankreich und das europäische Einigungsprojekt deshalb genauso wie die Hinwendung zur angelsächsischen Welt.
Quelle und gesamter Artikel: welt.de


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